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Aktuelles

23. ACATIS Value Konferenz in Frankfurt am Main am 8. Mai 2026

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Künstliche Intelligenz, Wissenschaft und die unsichere geopolitische Lage standen im Mittelpunkt der 23. ACATIS Value Konferenz.

Geopolitische Härte und Präzision der Vernunft

Nahost: Tatsachen, Legenden, Lösungen

Die Auswirkungen globaler Krisen auf Unternehmen in Deutschland

100 Jahre Quantenphysik – und das ist erst der Anfang

Die Modellierung der Welt mit lernenden Systemen

Information wird zur Massenware – Alpha nicht!

KI bei der Auswahl von Privatkrediten für das Portfoliomanagement

Die Unmöglichkeit des Möglichen

 

Frankfurt am Main, 11. Mai 2026 
 

Frankfurt am Main, 8. Mai 2026 – Künstliche Intelligenz, Wissenschaft und die unsichere geopolitische Lage standen im Mittelpunkt der 23. ACATIS Value Konferenz. „Wir leben aktuell auf dem Gipfel aller bisherigen Zivilisationen – niemals ging es der Menschheit besser. Und doch: Das Rückgrat unseres westlichen Wertesystems erodiert“, sagte Dr. Hendrik Leber, Geschäftsführer der ACATIS Investment Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, im ersten von sieben Fachvorträgen, denen mehr als 200 Gäste in den Räumlichkeiten der Frankfurt School of Finance & Management folgten. Das Leitthema der Veranstaltung lautete „Geopolitische Härte und Präzision der Vernunft“.

Zu Beginn der Konferenz gab Leber eine personelle Weichenstellung bei ACATIS bekannt: Thorsten Schrieber wird – vorbehaltlich der BaFin-Zustimmung – zum 1. Juli 2026 die Position des CEO übernehmen. Leber selbst sowie seine Ehefrau Claudia Giani-Leber, die das Unternehmen 1994 gegründet hatten, bleiben der Geschäftsführung ebenso erhalten wie Thomas Bosch, der die Bereiche Risikomanagement, Compliance, Recht, Finanzen, Personal und Back Office verantwortet. Leber will sich künftig noch stärker auf das Portfoliomanagement konzentrieren. Schrieber, zuletzt im Vorstand der DJE Kapital AG für Vertrieb und Marketing verantwortlich, bringt mehr als 35 Jahre Branchenerfahrung mit – für Leber der „hochqualifizierte Kollege“, der die strategische Expansion von ACATIS vorantreiben soll.


Geopolitische Härte und Präzision der Vernunft

In seinem Eröffnungsvortrag zeichnete Leber ein ambivalentes Bild der Gegenwart: exponentielles Wachstum von Wissen und Wohlstand auf der einen, geopolitische Umbrüche und wachsende Feindseligkeit gegenüber Wissenschaft und Bildung auf der anderen Seite. Statistiken belegten, dass die Zahl der Todesopfer pro 100.000 Menschen in bewaffneten Konflikten seit dem Zweiten Weltkrieg stetig zurückgegangen sei – entgegen der öffentlichen Wahrnehmung. Dennoch warnte er: Eine Neuverteilung des Wohlstands könne zu neuer Gewalt führen, weltweite Tendenzen zu Autokratie und Totalitarismus bereiteten ihm Sorge. „Eine Demokratie kann nicht existieren, wenn alles immer wieder infrage gestellt wird.“

Eine geopolitische Machtverschiebung sei unausweichlich: „Nationen kommen und gehen – die USA sind ein historischer Wimpernschlag. China und Indien überholen den Westen durch Masse und Tempo.“ Die Zahlen belegen: 2024 stand einem US-Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent ein Leistungsbilanzdefizit von 3,9 Prozent gegenüber; die Auslandsverbindlichkeiten der Vereinigten Staaten sind in den vergangenen zehn Jahren doppelt so schnell gestiegen wie das BIP. „Multilaterale Verträge werden durch situative Deals ohne Bindungswirkung ersetzt. Das institutionelle Gerüst bricht.“ Hinzu komme die wachsende Abkopplung bei Zukunftstechnologien: „Jeder spielt sein eigenes Spiel – die USA, Europa und China tauschen Wissen nicht mehr aus.“

An den Kapitalmärkten sieht Leber hohe Bewertungen, eine Erosion der Marktethik und eine bedenkliche Casinomentalität. Die exorbitanten Kurssteigerungen bei KI-Aktien erinnerten ihn an den Eisenbahnboom vor 150 Jahren, dessen Ende zwischen 1881 und 1929 in massiven Kurseinbrüchen mündete. Als Value-Investor sucht er deshalb Unternehmen, die selbst Wissensakkumulatoren sind – mit stabiler Prozessqualität und echter Substanz.


Nahost: Tatsachen, Legenden, Lösungen

Prof. Dr. Michael Wolffsohn, Historiker und emeritierter Professor der Universität der Bundeswehr München, analysierte den Nahost-Konflikt mit seiner Methode des „politisch-demografischen Röntgens“. Seine Kernthese: Die meisten Staaten der Region – etwa Israel, Syrien, Irak und Iran – sind keine gewachsenen Einheiten, sondern von tiefen ethnischen und religiösen Spaltungen zerrissen. Die Bevölkerungsstrukturen seien so heterogen „wie ein Fleckerlteppich“, in dem Araber, Perser, Kurden, Alewiten, Schiiten und Sunniten je nach Land entweder an der Macht oder unterdrückt sind. Wolffsohn: „Die postkolonialen Staaten sind Kunstprodukte.“ Das führe zu innenpolitischen Konflikten und zu Auseinandersetzungen mit den Nachbarländern.

Die Spaltung zeige sich auch daran, dass Staaten wie Saudi-Arabien, Jordanien und Kuwait „nicht formalistisch, aber faktisch Partner Israels sind“. Die Middle East Air Defense (MEAD) habe aktiv geholfen, iranische Raketenangriffe abzuwehren. Als Ausweg plädierte Wolffsohn für eine Föderalisierung der Staaten mit weitgehend selbstbestimmten Regionen – „ob man diese nun Bundesländer, States oder Kantone nennt“. Ohne eine solche Neuordnung sei dauerhafter Friede im Nahen Osten nicht erreichbar.


Die Auswirkungen globaler Krisen auf Unternehmen in Deutschland

Dr. Carlo Masala, Professor für Sicherheits- und Verteidigungspolitik an der Universität der Bundeswehr, lieferte eine nüchterne Analyse der geopolitischen Lage und ihrer Folgen für die deutsche Wirtschaft. Die Weltordnung werde von zwei schweren Gorillas – den USA und China – dominiert, während andere Länder, einschließlich der europäischen, allenfalls die Rolle leichtgewichtiger Schimpansen einnähmen. Patente und Innovationskraft bei Schlüsseltechnologien konzentrierten sich fast ausschließlich auf diese beiden Mächte; gleichzeitig arbeiteten die BRICS-Staaten aktiv an Alternativen zur westlich dominierten Weltfinanzordnung.

Für die exportabhängige deutsche Wirtschaft seien diese Polykrisen existenziell. Lieferkettenstörungen durch den Huthi-Beschuss im Roten Meer, die Abhängigkeit von chinesischer und indischer Medikamentenproduktion – all das mache die Verwundbarkeit des Standorts schmerzhaft sichtbar. Selbst scheinbar banale Abhängigkeiten könnten fatale Folgen haben: Die Zerstörung eines einzigen ukrainischen Nagelherstellers legte wochenlang die europäische Europalettenproduktion lahm. China, so Masala, müsse gar keine militärische Gewalt einsetzen – es würde genügen, den Westen von der Antibiotikaversorgung abzuschneiden. Peking strebe an, bis 2035 in Schlüsselindustrien wie Maschinenbau und Automobilbau vollständig unabhängig von ausländischem Know-how zu sein.

Sein Appell war unmissverständlich: „Beim Militär bereitet man sich immer auf das schlimmstmögliche Szenario vor. Die Wirtschaft hingegen hält es mit dem Kölschen Grundgesetz: Et hät noch immer joot jejange.“ Diese Haltung könne sich Deutschland nicht mehr leisten. Neue Märkte – allen voran Indien und andere bevölkerungsreiche Wachstumsländer – müssten jetzt erschlossen werden, so wie China in den 1990er-Jahren.


100 Jahre Quantenphysik – und das ist erst der Anfang

Prof. Dr. Rainer Blatt von der Universität Innsbruck, Mitgründer von Alpine Quantum Technologies (AQT), spannte den Bogen von den theoretischen Grundlagen der Quantenphysik – geprägt von Planck, Einstein, Bohr, Heisenberg und Schrödinger – bis zu ihren heutigen technischen Anwendungen. Das Jahr 1925 gilt als Geburtsstunde der Quantenphysik als eigenständige Disziplin; erst jetzt, ein Jahrhundert später, beginne die Menschheit, ihre Prinzipien wirklich nutzbar zu machen.

Quantencomputer funktionieren grundlegend anders als klassische Rechner: Statt mit den Zuständen 0 und 1 arbeiten sie mit Überlagerungen und Verschränkungen ganzer Zahlenregister und führen so viele Berechnungen gleichzeitig durch. Blatt betonte jedoch ausdrücklich: „Quantencomputer werden klassische Rechner nicht ersetzen.“ Quanteninformation sei flüchtig, eine vollständige Fehlerkorrektur noch nicht erreicht, und die Einstiegskosten lägen bei mindestens zehn Millionen Euro. Als vielversprechende Anwendungsfelder nannte er Kryptografie, abhörsichere Kommunikation, Risikoanalysen im Finanzsektor sowie biochemische Prozesse – etwa die CO₂-Fixierung bei der Düngemittelherstellung.

Für die Blockchain-Technologie und damit für Bitcoin sieht Blatt auf absehbare Zeit keine realistische Bedrohung durch Quantencomputer – schließt sie langfristig aber nicht aus. Europas wachsenden Rückstand führt er auf Kapitalmangel, fehlende Förderung durch das Militär und eine wenig ausgeprägte Kultur des Scheiterns zurück.


Die Modellierung der Welt mit lernenden Systemen

Florian Trifterer, Partner bei NNAISENSE – einer 2025 von ACATIS akquirierten Schweizer KI-Gesellschaft –, zeigte, wie lernende Systeme komplexe Realitäten modellieren: von Wettervorhersagen und DNA-Sequenzierung bis hin zu medizinischen Modellen, die Patientendaten aus Gesprächen, EKG, Blutbild und Röntgenaufnahmen zu präzisen Diagnosen und Therapievorschlägen verdichten.

Auch Finanzmärkte sind für NNAISENSE komplexe stochastische Systeme, für die weder einfache Punktvorhersagen noch klassische Gauß-Verteilungen taugen. Das hauseigene „Large Investment Model“ (LIM) erzeugt Tausende plausibler Marktszenarien und bildet gemeinsame Wahrscheinlichkeitsverteilungen für viele Finanzinstrumente gleichzeitig ab. Ein nachgelagerter Optimierer errechnet daraus das Portfolio mit der besten risikobereinigten Performance – und kann dabei komplexe Zusammenhänge wie hohe Korrelationen innerhalb einer Aktiengruppe systematisch berücksichtigen.

Konkret eingesetzt wird das Modell im soeben gestarteten ersten ETF von ACATIS, dem ACATIS Altersvorsorgedepot UCITS ETF (ISIN: DE000A428XC1). Aus einem Universum von 300 bis 350 qualitativ vorgeprüften Titeln – dem „350 Best of ACATIS“ – stellt die KI ein optimiertes Portfolio aus 50 Werten zusammen, das vierteljährlich überprüft und angepasst wird.


Information wird zur Massenware – Alpha nicht!

Nico Baum, Head of Innovation & Data bei der Privatbank Berenberg, stellte die Kernfrage des KI-Zeitalters: Wenn generative KI Informationen nahezu unbegrenzt verfügbar macht – wozu braucht es dann noch klassische Research-Leistungen, und woher kommt künftig noch Alpha? Seit 2021 seien die Preise für KI-Modelle dramatisch gefallen, Informationsvorsprünge als Wettbewerbsvorteil verschwänden: „Ein traditioneller Vorteil der Analysten bricht weg, der Kern unseres Geschäfts verändert sich.“

Portfoliomanager dürften nicht versuchen, der KI dort Paroli zu bieten, wo der Mensch strukturell unterlegen sei. Ihren Vorteil sieht Baum im Zugang zu proprietären Informationen – etwa in Managementgesprächen – und in menschlicher Urteilskraft: „Zwischen den Zeilen lesen kann die Maschine nicht.“ Die ultimative Entscheidung liege immer noch beim Menschen.

Sein Rezept: hohe Entscheidungsgeschwindigkeit kombiniert mit diszipliniertem Verhalten. Berenberg setzt dafür auf eine zweigleisige Strategie – maßgeschneiderte KI-Anwendungen auf Basis interner Daten einerseits, eine unternehmensweite „Everyday-AI“-Plattform andererseits. Fazit: Richtig eingesetzt sei KI keine Bedrohung für Portfoliomanager, sondern ein Werkzeug, das mehr Zeit für tiefere Analysen schafft.


Künstliche Intelligenz bei der Auswahl von Privatkrediten

Luca Frignani, CEO des Fintech-Unternehmens Exaloan, zeigte, wie KI die klassische Kreditanalyse „auf den Kopf stellt“. Überregulierte Banken verlören zunehmend an Bedeutung; entstanden sei ein „neues Datenuniversum jenseits von Schufa und Jahresabschlüssen“. Den globalen Markt für digitale Konsumentenkredite beziffert Frignani auf 360 Milliarden US-Dollar.

Über sechs Jahre hat Exaloan 46 Kreditplattformen ausgewertet und dabei mehr als 70 Millionen Kreditdatenpunkte mit jeweils mindestens 50 Merkmalen gesammelt. Das daraus entstandene KI-System AUTOMAT bewertet Kreditanfragen in unter zwei Sekunden und trifft transparent nachvollziehbare Entscheidungen. Der Datenschatz sei vergleichbar mit dem einer digitalen Ratingagentur; die Ausfallwahrscheinlichkeit sinke gegenüber herkömmlichen Scoring-Modellen um 50 Prozent. Im Live-Test erzielte das Portfolio eine durchschnittliche Bruttoverzinsung von 13,4 Prozent bei einer kumulierten Ausfallrate von 2,98 Prozent; die Nettozielrendite gibt Exaloan konservativer mit 9,2 Prozent an.


Die Möglichkeit des Unmöglichen

Den Abschluss der Konferenz gestaltete Mentalmagier Nicolai Friedrich, der das Publikum und Moderatorin Beate Hoffbauer mit der „Möglichkeit des Unmöglichen“ wiederholt verblüffte – wenngleich seine am Morgen abgegebene Prognose für den Xetra-Schlusskurs des DAX um wenige Punkte danebenlag. Dr. Hendrik Lebers abschließendes Fazit fiel trotz aller geopolitischen Unwägbarkeiten ermutigend aus: Europa sei ein starker Kontinent, dem es aktuell nur etwas an Orientierung fehle. „Wir sind besser als wir denken. Wir müssten nur wollen wollen.“

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