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Value Konferenz

Rückblick: 16. ACATIS VALUE KONFERENZ, 17. Mai 2019

"Schöne neue Welt"
 

Die Videos der Vorträge unserer ACATIS Value Konferenz 2019 finden Sie auf unserer YouTube-Playlist.
Unsere Pressemitteilung zur ACATIS Value Konferenz finden Sie hier.


Schöne neue Welt – es kommt darauf an, sie zu verändern
In die Gewinner von morgen investieren
Alte Kennziffern nicht mehr belastbar, Konsumgüter schwanken
Technologie ist neutral – Nutzung kann gut oder schlecht sein

Frankfurt am Main, 20. Mai 2019 (mpr) – „Technologie kann die Welt besser machen als guter Wille. Manche richtige Lösungen sind inves-tierbar, bieten einen guten Gegenwert – Value – und  sind kompatibel mit Nachhaltigkeitszielen.“ So fasste Gastgeber Dr. Hendrik Leber die Vorträge und Diskussionen der 16. ACATIS-Value-Konferenz in Frankfurt am Main am 17. Mai 2019 mit rund einhundertachtzig institutionellen Investoren zusammen.
Die Kapitalverwaltungsgesellschaft ACATIS Investment mit einem Anlagevermögen von über 6 Mrd. EURO und rund 40 Mitarbeitern widmet sich dem Value-Investing und veranstaltet die jährliche Value-Konferenz zum Zwecke des Ideenaustauschs in der Investmentbranche. In diesem Jahr ging es vorrangig um Risiken und Chancen in einer technologiegetriebenen „schönen neuen Welt“ aus dem Blickwinkel wertorientierten Investierens, in Anlehnung an den vor rund neunzig Jahren geschriebenen Roman von Aldous Huxley. Von der Textanalyse über Cyber-Unsicherheit, Krebsdiagnose und weißer Biotechnologie bis hin zu Klimawandel und Artenvielfalt spannte sich der Themenbogen.

Schöne neue Welt
Leber skizzierte gewaltige technologische Veränderungen in exponentieller Beschleunigung – „eine kambrische Explosion des Wissens, der Lebensweise und der Unternehmen. Gleichzeitig gehen wir mit einigen Ressourcen der Erde grob fahrlässig um.“ Als Investor prüft er, wie er von den positiven Entwicklungen profitieren und dazu beitragen könne, die negativen Auswirkungen unter Kontrolle zu halten.
„Tatsächlich wurden Hunger und Armut auf der Welt in den vergangenen Jahrhunderten weniger, Bildung und Friedfertigkeit besser. Durch Technologien potenzieren sich nun die Veränderungen der Welt; für uns ergeben sich daraus Investitionsmöglichkeiten“, so Leber, zumal alte Profitburgen aus der Konsumgüterindustrie wie Kraft-Heinz schwächeln. „Unsere Auswertungen von über viertausend Unternehmen zeigen aber, dass Firmen mit einem hohen Anteil nachhaltiger Produkte tendenziell positiver als andere performen.“
„Zukunftsinvestitionen können wertorientiert sein; Value bedeutet nicht Wohlfühlinvestment. In einer disruptiven Welt trauen wir vielen Unternehmen kein langfristiges Wachstum zu, sondern suchen mehr denn je nach unterbewerteten Firmen, den Gewinnern von morgen, um unsere Mittel in neue Chancen zu investieren.“ Alte Kennziffern seien auch nach Meinung von Value-Altmeistern wie Warren Buffett nicht mehr belastbar.
Leber wählte als Basis für seinen Einführungsvortrag bewusst die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDG, Sustainable Development Goals) aus, angefangen bei Armut, Hunger, Gesundheit und Bildung, und glaubt die Menschheit an vielen Stellen auf dem richtigen Weg. Defizite sieht er bei Wasser und Sanitätsversorgung, wachsender Ungleichheit, Klimawandel, Ozeanen und Landökosystemen.

Textanalyse im Portfoliomanagement
Die Auswertung von Informationen als Voraussetzung für erfolgreiches Value-Investieren ist denn auch eine der Aufgaben, denen sich ACATIS intensiv widmet. Dr. Jörg Hering, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei ACATIS, berichtete über Details. US-Unternehmen veröffentlichen jedes Jahr tausende Jahresberichte, Quartalsberichte und Ad-Hoc-Mitteilungen mit wichtigen Unternehmensinformationen. Neben Finanzkennzahlen enthalten die Berichte lange Texte über die aktuelle Lage des Unternehmens, laufende Produktentwicklungen sowie über zukünftige Chancen und Risiken.
ACATIS nutzt eigens entwickelte Algorithmen und Hochleistungscomputer für die automatisierte Textanalyse, um diesen Schatz an Informationen schnell zu heben und auszuwerten – in einer Sekunde beispielsweise den 300-Seiten-Jahresbericht von Coca-Cola. Werkzeuge der Künstlichen Intelligenz erkennen Muster in den Geschäftszahlen und den Texten, um die zukünftigen Gewinner zu identifizieren – „allein 200.000 Jahresberichte prognostizieren ausreichend zuverlässig künftige Aktienrenditen, Unternehmensgewinne und Dividendenzahlungen, und wir können auch zeigen, dass Manager heute negative Informationen in Jahresabschlüssen nicht mehr verstecken können“, so Hering. „Mit der Textanalyse ergänzen wir die klassische Kennzahlen- und Fundamentalanalyse.“ In Zukunft will ACATIS weitere Informationsquellen in anderen Sprachen erschließen und mit verbesserten Analysemodellen in Echtzeit automatisiert die besten Investmentmöglichkeiten identifizieren.

Überwacht und überflüssig?
Die Analyse ohnehin veröffentlichter Geschäftsberichte ist das eine, das Ausspionieren von Firmengeheimnissen oder einzelner Menschen das andere. Der Hacker, IT-Sicherheitsexperte und Publizist Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Club, warf die Frage auf, welchen Platz die Menschen in der neuen Welt aus lernenden Maschinen, allgegenwärtigen Kameras und Mikrofonen, automatischen Autos und jobfressenden Robotern haben. Zu allem Überfluss sei die schöne Digitalwelt auf dem sandigen Boden unsicherer, angreifbarer Technologien gebaut. „Aber technikverweigerndes Eremitentum ist kein sinnvoller Ausweg aus den vielfältigen Problemkonstellationen. Es gibt intelligentere Wege, damit umzugehen.“ Veraltete Soft- und Hardware werde allenthalben noch eingesetzt, ob in Krankenhäusern, Verwaltung oder Firmen. Sicherheitslücken werden teuer, wie der Fall der dänischen Reederei Møller-Mærsk im Juni 2017 zeigte: 300 Millionen US-Dollar Schaden dadurch, dass der Konzern tagelang nicht wusste, wo seine 160.000 Container standen. Die Hacker waren durch eine von der Reederei verwendete ukrainische Buchhaltungssoftware in das Netzwerk eingedrungen und hatten Erpressungstrojaner platziert. „Ist es vor diesem Hintergrund eine gute Idee, Autos autonom fahren zu lassen?“ fragt Rieger nicht ohne Grund. „Interessant für Investoren werden Firmen, die sicherheitsentscheidende Hard- und Software von Grund auf neu, schnell, strukturiert und damit auditierbar entwickeln können.“ Denn öffentlich bekannte IT-Sicher-heitsprobleme von Firmen seien mittlerweile kursrelevant – „also müssen die Unternehmen nachrüsten und hier investieren.“

IT-Abteilung von Hackern trainieren
Den eigenen Status ihrer Cybersicherheit können Unternehmen praxisnah mit bestellten Hacker-Angriffen testen. ACATIS hat dies von Code White mit den realen Methoden echter Hacker tun lassen und weiß jetzt, wo Schwachstellen liegen. David Elze, Geschäftsführer und Chief Operating Officer der Code White GmbH, zeigte an Beispielen, wie reale Angreifer vorgehen, wo die wahren Problemfelder bei der Verteidigung gegen solche Angriffe liegen und welche Strategien helfen können. „Phishing-Mails, ob mit oder ohne Anhang, und Webseitenbesuche von Mitarbeitern reichen meist schon aus“, so Elze. Sprich: Menschliche Fehler sind ein wichtiges Einfallstor der Hacker. „Compliance hilft nicht viel, denn Angreifer sind kreativ und chaotisch, sie denken anders als Firmenmitarbeiter.“ Auch rohe Rechengewalt hilft: „Unsere Systeme können 330 Milliarden Passwörter pro Sekunde durchprüfen, und wenn die Verteidiger nach einigen Dutzend Versuchen die Passwort-Versuche abblocken, prüfen wir Standardpasswörter gegen alle denkbaren E-Mail-Adressen.“ Manchmal dauere es durchaus lange, Firmennetze zu knacken, aber spätestens über schwach abgesicherte Tochter- und Partnerfirmen gelänge es dann doch. Eine leichte Besserung auf Firmenseite sei aber festzustellen: die durchschnittliche Zeit, in der ein Angreifer sich unerkannt im Firmennetzwerk bewegen könne, sei von 100 auf 78 Tage zurückgegangen. Und viele seiner Kunden, so Elze, seien nun deutlich besser in der Lage, Eindringlinge frühzeitig selber zu entdecken.

Personalisierte Krebstherapie mit Mikrofluidtechnik.
Doch es gibt in der schönen neuen Welt auch Bereiche, bei denen über positive Entwicklungen berichtet werden konnte. Dr. Christoph Merten, EMBL European Molecular Biology Laboratory, Heidelberg: „Eines der größten Probleme bei der Krebstherapie ist, dass Patienten auf Medikamente unterschiedlich gut ansprechen. Wir haben 3D-lithografisch gedruckte Chips und ein Gerät entwickelt, mit dem die Wirksamkeit von vielen verschiedenen Medikamenten schnell und kostengünstig direkt auf Tumormaterial von Patienten getestet werden kann.“ Durch die Verwendung dieser mikrofluidischen Technologie sollen winzige vom Patienten stammende Gewebeproben ausreichen, um achthundert Proben pro Sekunde automatisiert zu testen und so die beste Therapieoption zu ermitteln. Die Technologie soll 2020 über das geplante Spin-Off Velabs Therapeutics GmbH kommerzialisiert und 2021 in klinischen Studien mit der Uniklinik der RWTH Aachen erprobt werden. Angepeilt sind Ergebnisse innerhalb 24 Stunden zu Kosten von unter 130 EURO pro Patient. „Grundsätzlich können wir mit dieser Diagnostik weitere Krankheiten angehen, denn bei den meisten Menschen produziert der eigene Körper die richtige Medizin in Form von Antikörpern selber.“ Welche die richtigen seien, die dann im Labor vermehrt und in den Körper zur Therapie zurückgeführt werden können, werde auch mit Mikrofluidik ermittelbar sein.

Die Welt aus dem Bioreaktor
Wie seltene und teure Aroma- und Geschmacksstoffe ressourcenschonend in großen Mengen erzeugt werden können, zeigte Oliver Walker, CEO des Schweizer Unternehmens Evolva. Seit Jahrtausenden nutzen Menschen Hefen, um Brot, Bier und Wein zu produzieren. Mit gentechnisch veränderter Bäckerhefe kann Evolva neu entdeckte Stoffe, die in der Natur selten und in zu schwacher Konzentration vorkommen, in Bioreaktoren erzeugen. Konkret werden bereits nach einem von Evolva entwickelten Verfahren naturidentische Süßstoffe der Stevia-Pflanze von dem US-Unternehmen Cargill in hoher Konzentration und Reinheit erzeugt, die dann für kalorienfreie Getränke verwendet werden. Aromen, Anti-Aging-Nahrungsergänzungsmittel und Insektizide sind weitere naturidentische Produkte, die gezielt in Fermentern erzeugt werden. „Wir beseitigen Lieferengpässe der Natur“, so Walker, der allerdings einräumte, dass sein Unternehmen auch nach 14 Jahren die Gewinnschwelle noch nicht erreicht hat. Die Investoren hätten jedoch die weitere Finanzierung bis zum Erreichen der Gewinnschwelle gesichert.

Herausforderung Klimawandel - Fernwirkungen im System Erde
„Noch nie ging es uns so gut wie heute, aber Natur ist die limitierende Ressource.“ Daran erinnerte Prof. Andreas Mulch, stellvertretender Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt am Main. „Klimawandel und Biodiversitätsverlust sind zu Schlüsselthemen für die Entwicklung unserer globalisierten Gesellschaft geworden. Eine der großen Herausforderungen liegt in der räumlichen Trennung von Ursachen und Wirkung im ‚System Erde‘. Solche Fernverbindungen finden sich im Klimasystem sowie in der Verteilung von Produktionsorten und Verbrauchermärkten.“ Schließlich seien europäische Verbraucher letztlich die Ursache für viel Kohlendioxid, das bei der Produktion der Güter in China erzeugt werde. Naturwissenschaftliches Fach- und Entscheidungswissen sei nötig, um im Sinne eines Erdsystem-Managements sinnvolle Schritte für einen nachhaltigen Umgang mit unserem Planeten einzuleiten. „Wir brauchen eine wissensbasierte Debatte, welche Auswirkungen des Wandels wir zu tragen bereit sind. Für einen Wissenschafts‐ und Technologiestandort wie Deutschland ist Zögern eine der schlechteren Optionen.“ Letztlich ließen sich die Probleme nur mit einem global funktionierenden Wirtschaftssystem lösen, das alle externen Kosten internalisiere, etwa in Form von handelbaren Verschmutzungs- oder Verbrauchszertifikaten.
Den Wert von Biodiversität könne man mancherorts an konkreten Bei-spielen schon direkt ablesen: „Wenn Menschen Kirschblüten bestäuben müssen, weil die Bienen ausgestorben sind, dann haben wir ein Systemproblem. Wir können nur mit der Natur sinnvoll weitermachen, nicht gegen sie.“


Weitere Auskünfte über die Value-Konferenz erteilt die ACATIS Investment Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH,
E-Mail: anfragenacatisde, Tel. 069 / 97 58 37 77.

 

 


Rückblick: 15. ACATIS Value Konferenz am 25. Mai 2018 in Frankfurt am Main

"Die Zukunft ist schon da"


Die Zukunft kommt im Alltag an - in Megatrends investieren
Disruptionen richtig einschätzen
Quantensprünge in Mobilität, Viehzucht, Medizin
Mit künstlicher Intelligenz Anlegerstimmungen auswerten

Die Videos der Vorträge unserer ACATIS Value Konferenz 2018 finden Sie auf unserer YouTube-Playlist.
Unsere Pressemitteilung zur Veranstaltung finden Sie hier.

Frankfurt am Main, 28. Mai 2018 (mpr) – „Erfolgreiches Investieren bedeutet immer, die Erwartungen an die Zukunft in der Gegenwart vorwegzunehmen. Heute ist es wichtig, Value Investing 2.0 zu entwickeln, Disruptionen zu antizipieren und den Aufstieg und Fall von Geschäftskonzepten abzuschätzen. Denn was gestern noch Science Fiction war, ist heute schon Gegenwart.“ Mit diesen Worten steckte Gastgeber Dr. Hendrik Leber den Rahmen seiner 15. ACATIS-Value-Konferenz in Frankfurt am Main am 25. Mai 2018 mit rund hundertfünfzig institutionellen Investoren ab.
Die Kapitalverwaltungsgesellschaft ACATIS mit einem Anlagevermögen von über 5 Mrd. EURO widmet sich dem Value Investing und veranstaltet die jährliche Value-Konferenz zum Zwecke des Ideenaustauschs in der valueorientierten Investmentbranche. In diesem Jahr ging es darum, den Blick auf technische und gesellschaftliche Neuerungen zu werfen, die marktreif sind.

Autonome Elektrofahrzeuge, Transaktionstechniken wie Blockchain und Robotik und KI in Medizin, Biotechnologie und Landwirtschaft werden aus Sicht von ACATIS das tägliche Leben schneller und intensiver verändern, als den meisten Menschen heute bewusst ist. „Die Burggräben etablierter Firmen werden rasant schmaler. Alte Branchen werden nicht völlig verschwinden, aber langsamer wachsen und weniger profitabel sein. Darum müssen die etablierten Rezepte des Value-Investing weiterentwickelt werden“, so Leber.
Das Kurs-Buchwert-Verhältnis sei nicht mehr aussagekräftig, Kapitalintensität kein Pluspunkt mehr, im Gegenteil. „Heute kommt es darauf an, potenziell erfolgreiche Firmen zu erkennen und zu finanzieren, bevor andere das tun.“ Trends setzen sich simultan, gegenseitig befruchtend und damit exponentiell wachsend um. „Wir müssen Value Investing neu definieren, the winner takes it all.“

Megatrends - Prognosen von gestern und heute
Die Veränderungen in Technologie, Märkten, Kommunikation und Gesellschaft der vergangenen Jahre waren enorm. Doch das sei erst der Anfang: Künstliche Intelligenz werde unsere Welt in den kommenden Jahren mehr verändern, als das Internet in den vergangenen 15 Jahren, so Zukunftsforscher Lars Thomsen von der Beratungsfirma future matters, Zürich.
„Fast jede Branche entwickelt derzeit neue Produktionsmethoden. Robotik in Kombination mit autonomen, intelligenten Systemen stellt die Effizienz menschlicher Arbeit zunehmend infrage. Es ist Zeit, die neuen Trends der kommenden zehn Jahre zu untersuchen, um einen Eindruck davon zu gewinnen, wie unsere Welt im Jahr 2028 aussehen könnte. Es geht um neue Investitionschancen und um die Frage, wie diese Entwicklungen unser Leben, unsere Werte und die Gesellschaft verändern werden.“
„Wir suchen und finden Umschlagspunkte. Es geht um Systemverständnis, Datenanalysen und Logik.“ „Digitalisierung“ geschehe seit 40 Jahren. „Aber erst heute haben die Systeme die Fähigkeit, Muster zu erkennen und zu lernen, und die Systeme können sich austauschen und deshalb viel schneller als Menschen lernen.“ Die Menschheit erzeuge mit Computerhilfe Datenräume, die nur noch von Computern durchforstet werden können.
In den nächsten sechs Jahren würden enorme Revolutionen in der Robotik stattfinden, viele Gabelstaplerfahrer und Warenpicker in Lagerhäusern werden überflüssig werden. „Wir haben mit vielen Herstellern gesprochen, wann sie einen humanoiden Roboter für unter 20.000 Dollar herstellen können. Der Median der Prognosen liegt bei 2023. Und wir glauben, dass dann der Robotermarkt inklusive seiner Zulieferer größer werden wird als der Automobilmarkt.“
Der zweitgrößte Trend sei der Umbau der Mobilitätssysteme von schlecht wirkenden Verbrennern zu Stromern. Der Umschlagpunkt sei bereits erreicht, da schon jetzt gleiche Leistung und Komfort zum gleichen Preis erreicht seien. Und für Elektroautos werde der Preis weiter sinken. Die objektiv höhere Sicherheit autonomer vernetzter Kraftfahrzeuge werde vermutlich durch geringere Versicherungsprämien den höchsten Anreiz im Markt erfahren; die längsten Verzögerungen werden durch die Gesetzgebung verursacht werden.
Energie ist der nächste Megatrend, gegenwärtig am Umschlagpunkt von fossiler auf regenerative Energienutzung. Neue Solarkraftwerke seien mittlerweile pro Kilowattstunde deutlich günstiger als die modernsten Kohlekraftwerke.
„Die nächste Wirtschaftskrise wird eine Krise der Arbeit werden, es werden auch millionenfach Schreibtischtätigkeiten erfasst werden. Bisherige Arbeitszeitmodelle werden nicht mehr halten. Ob neue Arbeitsplätze entstehen, wenn intellektuelle menschliche Tätigkeiten wegfallen, ist fraglich, anders als bei bisherigen Umschwüngen.“

Bonusvereinbarungen mit KI auswerten
Value-Investoren sind immer auf der Suche nach Informationen, die noch mehr aussagen über die tatsächlichen Vorgänge in Unternehmen und damit über deren wahren Wert. Wie ACATIS Textanalysewerkzeuge der Künstlichen Intelligenz nutzt, um solche Informationen als Indikator für Investmententscheidungen automatisiert zu extrahieren, darüber berichtete Oliver Rolle in seinem Beitrag.
US-Unternehmen veröffentlichen die Gestaltung der Manager-Anreizsysteme in sogenannten „DEF 14A“ Proxy-Statements. Darin werden die Faktoren der Bonusberechnung für das Management beschrieben. In den meisten Fällen sind diese Texte weder klar noch deutlich, sondern extrem lang, in juristischer Fachsprache gehalten, für Laien wie Experten irreführend und verwirrend. Doch richtig gesetzte Anreize bauen nach den ACATIS-Analysen auf industriespezifischen, allgemein akzeptierten Metriken auf und machen sich im Unternehmensergebnis bemerkbar.
ACATIS hat dafür in einer Voruntersuchung drei Kennzahlengruppen aus den Bereichen Finanzbuchhaltung, Kapitalmarktorientierung und Geschäftsmodellorientierung gebildet und manuell auf Validität und Reliabilität untersucht – ein extrem aufwändiges Vorgehen. Diese Kennzahlen will ACATIS zukünftig maschinell ermitteln und zu einem KI-basierten Modell für die Beurteilung von Anreizsystemen ausbauen.

Alternative Antriebskonzepte bei VW
„Alternative Antriebe gewinnen weltweit zunehmend an Bedeutung im Antriebsportfolio von VW“, so Dr. Jörg Huslage, Manager Konzernent-wicklung Batterie. Die Elektrifizierung des Antriebsstranges bis hin zu Null-Emissionsfahrzeugen sei beschlossene Strategie des Konzerns.
Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten reichen von der Optimierung des klassischen Verbrennungsmotors über verschiedene Hybridvarianten bis hin zu vollelektrischen Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeugen und decken das breitestmögliche Spektrum ab. „Haupttreiber sind die CO2-Emissionen, die auf Grund von EU-Regulierung nachhaltig verringert werden müssen, was nur mit E-Fahrzeugen geht.“ Die Wende werde 2020 kommen, wenn VW eine Vielzahl neuer Fahrzeuge auf einer neuen Elektro-Modellplattform auf den Markt bringen werde.
Emissionsfrei müsse aber der gesamte Energiebereitstellungsprozess sein, die Emissionen könnten nicht einfach an andere Stellen verlagert werden. Ein Wasserstoff-Brennstoffzellenauto habe letztlich nur einen Wirkungsgrad von 30 Prozent, wenn die gesamte Herstellungs- und Lieferkette der Energie berücksichtigt werde, und ist damit aus dem Rennen. Der Schwerpunkt liege deshalb seit Jahren auf der Batterieforschung und der Anpassung der Baukasten-Plattformen an den notwendigen Platz für Batterien. Alle Forschungen hätten bisher gezeigt, dass die etablierte Lithium-Ionen-Technologie laufend verbessert werden könne und so noch für lange Zeit unschlagbar bleibe.
In 2025 will VW rund 50 verschiedene vollelektrische Fahrzeugtypen anbieten und bis dahin auch gemeinsam mit anderen Herstellern ein Netz von 400 Schnelladestationen in ganz Europa aufbauen. Die Kostendegression großer Serien im Konzern sei eine gute Basis für eine flächendeckende Einführung elektrischer Antriebe.

Quantensprünge in der Medizin – Krebsimmuntherapie, Gentherapie und Zahlung nur bei Therapieerfolg
Quantensprünge in der Medizin berichtete Mario Linimeier, Molekularbiologe, Betriebswirt und Geschäftsführer beim Münchner Healthcare-Spezialisten Medical Strategy und Co-Manager des Medical BioHealth Trends, einem auf Small & Mid Caps spezialisierten Gesundheitsfonds. „Auf dem Gebiet der Onkologie zeichnet sich eine Revolution ab. Galt Krebs lange Zeit als tödliche Erkrankung, gelingt es nun mit Hilfe immunologischer Ansätze, das Überleben von Patienten im Vergleich zu bisher genutzten Therapien signifikant zu verlängern und Krebs in eine chronische, aber nicht tödliche Erkrankung zu transformieren.“ Bisherige Chemotherapien brächten immer nur einen kurzen Zeitaufschub, weil die Tumorzellen resistent gegen die Chemotherapie werden. Doch das körpereigene Immunsystem könne stimuliert werden, die Krebszellen dauerhaft selbst zu bekämpfen.
Auch Gentherapie habe jetzt den Marktdurchbruch erreicht. Die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte 2017 die ersten Zulassungen für drei bahnbrechende Gentherapie-Produkte in den USA, so dass defekte Gene ersetzt werden können. Hier eröffnen sich jetzt nach Jahrzehnten der Forschung Milliardenmärkte, was den derzeit noch extrem hohen Medikamentenpreisen geschuldet ist. Doch parallel dazu werden neue Bezahlmodelle entwickelt – pay per performance; die Krankenkasse zahlt nur bei Therapieerfolg.

Eier von nachweislich glücklichen Hühnern
Prof. Daniel Berckmans von der katholischen Universität Leuven in Belgien erforscht neue Wege in der Präzisionsviehhaltung (Precision Livestock Farming). Schwerpunkt ist die Entwicklung von Echtzeit-Algorithmen für einzelne Menschen und Tiere. Die Technik unterstützt die vollautomatische Tierhaltung an sieben Tagen in der Woche. Mit Kameras, Mikrofonen, Sensoren und dem „Internet der Dinge“ kann der Landwirt erkennen, welche Tiere Hilfe benötigen. Lahmheitserkennung durch Bildanalyse, Futteraufnahme-Messungen, Wachstums- und Tierschutzüberwachung werden die Viehzucht für alle Beteiligten verändern. „Die bisherige menschliche Beobachtung von Zuchttieren muss dringend rationalisiert werden, wenn die weltweite Fleischproduktion für eine wachsende Bevölkerung signifikant steigen und dennoch das Tierwohl verbessert werden soll.“ Über 60 Mrd. Tiere werden jährlich für die menschliche Ernährung getötet – aber erst einmal müssen sie schlachtreif werden. Und die Nachfrage wird bis 2050 um 75 Prozent steigen.
Moderne Technik erlaubt es, Einzeltiere einer Herde als Individuen wahrzunehmen und individuell zu behandeln. Mit modellbasierter Beobachtung und Verbesserung von biologischen Reaktionen begann Berckmans Team bereits 1991, testweise zuerst mit Insekten. Die Erfassung von Atemgeräuschen von Schweinen - Husten – zeigte bald, wie durch Geräuschanalyse Zuchttiere gesünder aufgezogen und der Antibiotikaeinsatz reduziert werden konnte.
Die Bildauswertung von Hühnerställen führte zu einfachen Algorithmen mit geringem Rechenbedarf, die etwa über blockierte Futtertröge informieren. Mit diesen Überwachungssystemen lässt sich für jedes Huhn erkennen, ob es sich wohlfühlt, und die Lebensumstände können automatisiert an die Bedürfnisse der Tiere angepasst werden. Solche Systeme eignen sich für den Bauernhof, aber genauso auch für das Monitoring von Formel-1-Fahrer oder Patienten. Für eine Reihe von Geschäftsmodellen sucht Berckmans Investoren, um seine Entwicklungen in die Märkte zu bringen.

Mit KI Anlegerstimmungen in Echtzeit auswerten
Jamie Wise, Gründer von BUZZ Indexes in Toronto und seit kurzem Ko-operationspartner von ACATIS für den am 15. Mai aufgelegten Fonds ACATIS AI BUZZ US Equities, extrahiert mit Computertechniken des Natural-Language-Processing (NLP) Informationen aus Texten. BUZZ analysiert mit dieser Form der Künstlichen Intelligenz (KI) die Investorenstimmungen auf Onlineplattformen und selektiert damit die Aktien für den BUZZ-Index.
Wise erläuterte den BUZZ-Prozess, der sich auf soziale Netzwerke konzentriert. „Die Auswertung von Stimmungen kann für die Börse kurz- und mittelfristig zu Vorhersagen über Preisentwicklungen beitragen.“ BUZZ ist der einzige Index, der die positive Stimmung von Investoren über US-amerikanische börsennotierte Großfirmen auswertet. Er versammelt die 75 Aktien mit der besten Bewertung, mit einer jeweiligen maximalen Gewichtung von 3 Prozent, und wird monatlich neu zusammengestellt. Der originale BUZZ US Sentiment Leaders ETF ist 2016 gestartet, Modellrechnungen seit Anfang 2013 liegen kontinuierlich deutlich über dem S&P-500-Index. Die Schwarmintelligenz der Influencer scheint also die Realität der Börse gut vorwegzunehmen. „Der Wert des Prozesses kommt aus der Menge der Daten, die verarbeitet werden.“